Rechtsakte zum Bodenschutz
Jede nachhaltige Gestaltung von Ernährungssystemen geht vom Boden aus. Ohne Boden kein Leben. Und ohne Bodenleben, kein Ertrag.
Wie sehr der Boden durch unsere aktuellen landwirtschaftlichen Systeme beeinträchtigt ist, hat der UN-Bericht Global Land Outlook 2 erneut dramatisch aufgezeigt.
Der Bericht zeigte 2022, dass bereits 40 Prozent der Landflächen der Erde, die sich für Land- und Forstwirtschaft eignen, geschädigt ist und dadurch nicht mehr so fruchtbar ist wie ursprünglich. Von diesem Problem ist mittlerweile die Hälfte der Menschheit betroffen.
Die Bedrohung der Artenvielfalt im Boden bedroht uns mindestens genauso wie die der Artenvielfalt darüber!
>> Die Bodenbiota spielen eine lebenswichtige Rolle für die Bodenfruchtbarkeit und haben erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Erträge. Außerdem tragen sie zur Reinigung von Luft und Wasser bei. Müssten diese Funktionen synthetisch erfüllt werden, würde das jedes Jahr Billionen Euro kosten. <<
EU Kommission 2010
2026 belegt ein FAO-Bericht, dass sich inzwischen mehr als die Hälfte der Böden weltweit in einem schlechten Zustand befindet. In rund einem Drittel der Fälle ist die Bodenqualität mäßig, nur in 14 Prozent ist sie gut oder sehr gut. Damit seien die weltweite Nahrungsmittelversorgung und die Artenvielfalt gefährdet.
Die wirtschaftlichen Kosten von Landdegradation, Wüstenbildung und Dürre werden laut UN jährlich auf 878 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die nächste große Ernährungskrise könnte deshalb nicht durch einen Krieg ausgelöst werden, sondern durch den schleichenden Verlust unserer nutzbaren Böden.
Einen großen Anteil daran hat die landwirtschaftliche Nutzung. Es wird immer dringlicher, das zu ändern. Viele Fakten dazu, dass es geht, habe ich hier zusammengestellt:
Sustainable farming isn’t a threat to food security. It might be the only thing that saves it.
Seit Anfang der 2000 er Jahre wird eine EU-weite Gesetzgebung zum Schutz der Böden verhindert. Das entbehrt jeder Vernunft, war schon damals ein Fehler und ist bezogen auf die Herausforderungen der Zeit völlig unzeitgemäß.
In der am 17.11.21 vorgestellten > Bodenschutzstrategie für einen EU-weiten Rahmen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Bodens spricht die EU-Kommission die verschiedenen Bedrohungen des Bodens an und bedauert, dass es nach wie vor keinen EU-weiten Schutzrahmen für Böden gibt, wie es ihn für Luft und Wasser gibt.
Video EU Missions Soil Health and Food
Auch das Europäische Parlament hat im Frühjahr 2021 in einer Resolution einen verbindlichen Legislativvorschlag zum Schutz des Bodens gefordert.
Doch aus dem angekündigten “Bodengesundheitsgesetz” wurde nun eine Richtlinie zur Bodenüberwachung.
Dazu schreibt das European Environmental Bureau: „Die Änderung zeigt, dass sich das Hauptziel der Richtlinie auf die Überwachung des Zustands der Böden in der EU beschränkt und nicht darauf, die Gesundheit der europäischen Böden wiederherzustellen. Dies ist sehr enttäuschend und überlässt die Gesundheit unserer Böden einmal mehr dem Zufall.”
In der Richtlinie finden sich keine verbindlichen Ziele und Vorgaben. Stattdessen geht es um Datenerhebung und Monitoring, etwa von Versalzung, Erosion, Verlust von organischem Kohlenstoff, Verdichtung, Nährstoffgehalt, Verunreinigung, Wasserhaltekapazität, Versiegelung, Konzentration von Phosphor, Schwermetallen und Chemikalien.
Beitrag im “Deutschlandfunk: Wie sich die EU-Kommission künftigen Bodenschutz vorstellt.
Die Bodenmonitoringrichtlinie wurde inzwischen trotz heftiger Gegenwehr von Rat und Europaparlament angenommen. Im Hinblick auf die Verwässerung und Ablehnung umweltorientierter Regelungen in den letzten Monaten auf EU-Ebene ist dies ein wichtiger Schritt. Doch es reicht nicht. Ich werde mich im Rahmen meiner Beratungstätigkeit intensiv für eine Verbesserung zum Schutz der Böden einsetzen.
Wie weit die EU mit ihrer Bodenstrategie fortgeschritten ist, kann man hier einsehen:
EU Soil Strategy Actions Tracker
Auch die letzte Agrarreform hat es wieder nicht geschafft, verbindliche wirksame Regelungen zum Bodenschutz in die Auflagen der Konditionalität für einen „guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand“ (GLÖZ) zum Erhalt von Direktzahlungen zu integrieren. Zudem sind diese zum Teil schon wieder abgeschafft worden. Deshalb brauchen wir umso dringender ein europäisches Regelwerk, das dem Bodenschutz die gleiche Aufmerksamkeit und Schutzposition beschert, wie dem Schutz von Luft und Wasser!
Das deutsche Bundesbodenschutzgesetz (BBSchG) beinhaltet zwar in Paragraph 17 einen Bezug zum landwirtschaftlichen Management. Doch hier wird nur auf die “gute fachliche Praxis” verwiesen und die ist weiterhin nicht definiert. Es müsste diesbezüglich dringend überarbeitet werden.
Ich unterstütze diese Prozesse im Rahmen meiner Beratertätigkeit auf nationaler und europäischer Ebene.
Das Büro für Bodenschutz & Ökologische Agrarkultur unterstützt das europäische Positionspapier mit Empfehlungen für die Richtlinie zur Bodenüberwachung:
Guter Podcast vom Deutschlandfunk zum Thema
Angebot: Landwirtschaftlicher Bodenschutz – Gesetze, Initiativen, Fördermöglichkeiten – Vortrag oder Seminar
Mein Gesamt-Angebot zum Bodenschutz finden Sie hier
Ausgewählte Publikationen zur Rechtslage beim Bodenschutz in Europa und Deutschland:
Beste A. (2024) in Greenpeace Feature 2024: Boden Burnout
Kapitel Wiederbelebt
Beste, A. (2023): Bodenschutzbezogene Rechtsetzung und Strategien in der Europäischen Union.
Video 3Sat Sendung “Scobel: Update Landwirtschaft” mit Dr. Andrea Beste. 13. Oktober 2022
ZDF- Podcast Terra X mit Dirk Steffens 2021 Interview zum Boden
Beste, A. (2019): Es muss jetzt etwas passieren. Kommentar zum deutschen Bodenzustandsbericht.


